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China: Mönch droht Folter

8 Januar 2009 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

Der ehemalige Mönch Nami Jhaba wurde am 19. April 2008 festgenommen und ist seitdem ohne Kontakt zur Außenwelt inhaftiert. Die Polizei brachte seiner Familie kürzlich einige seiner persönlichen Gegenstände, weshalb man annimmt, dass er in Gefahr schwebt, gefoltert oder misshandelt zu werden.

Am 7. Dezember 2008 kam die Polizei zum Haus seiner Schwester in der Präfektur Daofu der Autonomen Region Tibet und händigte ihr einige persönliche Gegenstände ihres Bruders aus, darunter ein religiöses Amulett. Wenn der Besitzer dieses Amulett hergibt, bedeutet dies in der tibetischen Kultur, dass Andere die Kontrolle über seinen Körper übernommen haben und könnte daraufhin deuten, dass Nami Jhaba gefoltert wird oder sich in einer anderweitig kritischen Situation befindet. Die Polizei informierte die Schwester von Nami Jhaba darüber, dass sie auf eine Entscheidung der Zentralregierung in seinem Fall warteten. Lokalen Quellen zufolge wurde Nami Jhaba beschuldigt „Staatsgeheimnisse preisgegeben“ zu haben. Er soll zuerst in der Präfektur Kangding festgehalten, dann nach Chengdu in der Sichuan-Provinz verlegt und später zurück in die Präfektur Kangding geschickt worden sein. Es ist unklar, ob er seither Zugang zu Anwälten hatte.

Man nahm an, dass Nami Jhabas Festnahme unmittelbar mit seinem Versuch zusammenhängt, einem ausländischen Journalisten Videomaterial über eine Demonstration im März 2008 zu übergeben. Das Video zeigt Hunderte von Polizisten, die auf Mönche des Langque-Klosters und andere Tibeter schießen und sie festnehmen. Während eines Interviews mit dem US-Rundfunksender „Radio Free Asia“ am 9. April 2008 gab Nami Jhaba an, dass die Gefahr bestehe, dass er von den Behörden festgenommen wird.

Nami Jhaba war einst ein Mönch des Langque-Klosters. Er wurde bereits zwei Mal im Zusammenhang mit Protesten von Mönchen und dem Anbringen von gegen die Regierung gerichteten Flugblättern am Kloster verhaftet.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Eine Welle von Unruhen und Protesten breitete sich im März und April 2008 in der Autonomen Region Tibet und den benachbarten von TibeterInnern bewohnten Gebieten aus. Mehr als 1.000 Menschen wurden im Zuge des darauf folgenden Vorgehens der Regierung willkürlich verhaftet.

Die Behörden klagen Menschen, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit ausüben, vage formulierter Straftatbestände wie „in rechtswidriger Weise Staatsgeheimnisse veröffentlichen“, „Subversion“ und „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ an.

Amnesty International dokumentiert seit langem die weit verbreitete Anwendung von Folter und anderer Formen von Misshandlungen in Gefängnissen und Hafteinrichtungen, darunter Schläge und Elektroschocks. China ratifizierte im Jahr 1988 das UN-Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe und hat Gesetze verabschiedet, die darauf abzielen, diese Praktiken zu unterbinden, aber Folter und Misshandlung in der Haft ist immer noch weit verbreitet. Im November 2008 drückte der UN- Ausschuss gegen Folter seine Besorgnis über Berichte von Misshandlungen in Haft sowie den Mangel an Untersuchungen dieser Misshandlungen aus. Die Berichte beinhalteten auch hohe Zahlen von Todesfällen, die vermutlich mit Folter und Misshandlungen in Zusammenhang stehen.

EMPFOHLENE AKTIONEN

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE

* an die Behörden appellieren, Nami Jhaba unverzüglich und bedingungslos freizulassen, sofern er nicht einer als Straftat erkennbaren Handlung angeklagt wird;
* die Behörden auffordern zu gewährleisten, dass er nicht gefoltert wird;
* die Behörden fragen, wo Nami Jhaba festgehalten wird;
* von den Behörden verlangen, dass er umgehend Zugang zu einem Rechtsanwalt seiner Wahl und zu seiner Familie sowie jedwede benötigte medizinische Versorgung erhält.

APPELLE AN

VORSITZENDER DER REGIONALREGIERUNG DER
AUTONOMEN REGION TIBET

Qiangba PUNCOG Zhuren
Xizang Zizhiqu Renmin Zhengfu
1 Kang’angdonglu
Lasashi 850000
Xizang Zizhiqu, VOLKSREPUBLIK CHINA (korrekte Anrede: Dear Chairman)

MINISTERPRÄSIDENT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
WEN Jiabao Guojia Zongli
The State Council General Office
2 Fuyoujie, Xichengqu, Beijingshi 100017, VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 86) 10 65961109 (c/o Ministry of Foreign Affairs)

MINISTER FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT DER
VOLKSREPUBLIK CHINA

MENG Jianzhu Buzhang Gong’anbu, 14 Dongchang’anjie, Dongchenqu Beijingshi 100741 VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 86) 10 63099216 (Es könnte schwierig sein, durchzukommen, bitte versuchen sie es weiter)

KOPIEN AN
SEKRETÄR DES PARTEIKOMITEES DER KPCH DER
AUTONOMEN REGION TIBET

ZHANG Qingli Shuji
Zhonggong Xizang Zizhiqu Weiyuanhui
Lasashi, Xizang Zizhiqu, VOLKSREPUBLIK CHINA

BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
S. E. Herrn Canrong Ma
Märkisches Ufer 54, 10179 Berlin
Fax: 030-2758 8221
E-Mail: chinesischeBotschaft@debitel.net, chinaemb_de@mfa.gov.cn
de@mofcom.gov.cn

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Chinesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 29. Januar 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

Quelle: Amnesty

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