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Urgent Action: Hinrichtung im US-Bundesstaat Ohio angesetzt

4 Oktober 2008 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

Die Hinrichtung von Richard Cooey ist für den 14. Oktober im US-Bundesstaat Ohio angesetzt. Er wurde am 5. Dezember 1986 wegen zweier Morde, die drei Monate zuvor begangen wurden, zum Tode verurteilt. Zum Tatzeitpunkt war er 19 Jahre und 2 Monate alt. Er hat seitdem fast 22 Jahre im Todestrakt verbracht.

Richard Cooey litt an ernsten Alkohol- und Drogenproblemen, seit er etwa zwölf war. Im August 1986 befand sich der damals 19-Jährige auf Urlaub von seiner Armeeausbildung. In dieser Zeit begab er sich auf einen dreiwöchigen Alkohol- und Drogenexzess. Am 31. August 1986 konsumierte er Marihuana, Bier, Kokain und Opium und war mit zwei Freunden, Clint Dickens, 17 Jahre, und Kenny Horonetz, 18 Jahre, in seinem Auto unterwegs. Auf einer Brücke über einer Schnellstraße hielten sie an. Dort warf Clint Dickens einen Zementbrocken über die Brüstung und traf damit den Wagen von Wendy Offredo, 21 Jahre, und Dawn McCreery, 20 Jahre. Die Frauen mussten anhalten, woraufhin die drei Teenager anboten, sie in ihrem Auto mitzunehmen. Gemeinsam fuhren sie zu einem Einkaufszentrum in der Nähe, wo Wendy Offredo mit ihrer Mutter telefonierte, während Dawn McCreery die Polizei anrief. Den Gerichtsakten zufolge brachten die Teenager die jungen Frauen daraufhin jedoch nicht zurück zu ihrem beschädigten Auto, sondern raubten sie aus und fuhren mit ihnen zu einem Feld, wo Cooey und Dickens sie vergewaltigten und ermordeten.

Seinen Angaben zufolge kooperierte Richard Cooey mit der Polizei, nachdem man ihm versprochen hatte, dass er so der Todesstrafe entgehen könnte. Dennoch strebte die Anklage in seinem Prozess, der vor drei Richtern stattfand, da Richard Cooney auf sein Recht auf einen Prozess vor einer Jury verzichtet hatte, die Todesstrafe an. Es ist unklar, ob Richard Cooey die Konsequenzen eines Verzichts auf einen Prozess vor einer Jury in vollem Umfang verstanden hatte. Nach zwei Prozesstagen wurde Richard Cooey in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Die Festlegung des Strafmaßes dauerte einen Tag. Am 5. Dezember 1986 wurde Richard Cooey wegen Mordes zum Tode, und wegen Entführung, Vergewaltigung, Raub und tätlichen Angriffs zu insgesamt180 Jahren Gefängnis verurteilt. Der eineinhalb Jahre jüngere Clint Dickens wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Gemäß internationalem Recht war die Todesstrafe in Fällen von Straftätern, die zum Tatzeitpunkt minderjährig waren, in Ohio ausgeschlossen.

Der Anwalt, der Richard Cooey während des Prozesses vertreten hatte, wurde ihm für sein erstes Berufungsverfahren erneut zugeteilt. Laut dem Gnadengesuch von Richard Cooey besuchte sein Anwalt ihn in dieser Zeit nicht und trat auch sonst nicht mit ihm in Kontakt. Außerdem ließ er ihm keine Kopien von bei Gericht eingereichten Schriftstücken zukommen. Heute würde ein Gericht nicht den selben Anwalt für Prozess und Berufungsverfahren bestellen, da es unwahrscheinlich ist, dass ein Anwalt bei einem Berufungsverfahren seine eigene Leistung im ursprünglichen Prozess kritisiert. Neue Anwälte, die Richard Cooey für spätere Rechtsmittel zugeteilt wurden, äußerten den Vorwurf, dass die Vertretung durch den Anwalt im Prozess und beim ersten Berufungsverfahren unzureichend war. Der Oberste Gerichtshof von Ohio entschied jedoch, dass diese Vorwürfe zu spät geltend gemacht worden und nicht als grober Fehler zu werten seien.

Bei der Bestätigung des Todesurteils im Jahre 1989 erklärte der Oberste Gerichtshof von Ohio: „Cooeys junges Alter spielt eine Rolle, sein militärischer Hintergrund sollte jedoch eine größere Reife erwarten lassen als bei einem gewöhnlichen 19-Jährigen. Seine Vorgeschichte als schwer misshandeltes Kind ist in Bezug auf seine psychischen Probleme sicherlich relevant.“ Die Kindheit von Richard Cooey war geprägt von Misshandlung und Vernachlässigung, einschließlich schwerer körperlicher Misshandlungen durch seinen Vater. Im Alter von fünf Jahren begann er, Alkohol zu konsumieren. Ab dem Alter von zwölf Jahren nahm er nahezu täglich Alkohl und Drogen wie Marihuana, Amphetamine und Opiate zu sich. Das Gericht erklärte auch, die Tatsache, dass Richard Cooey nicht vorbestraft war, könne strafmildernd berücksichtigt werden. Das Gericht erkannte zwar an, dass „Cooey möglicherweise weniger für seine Taten verantwortlich war als die meisten Menschen“, entschied jedoch, dass die besondere Schwere der Schuld die strafmildernden Umstände aufhebe.

Laut seinem Gnadengesuch ist Richard Cooey in seiner Zeit im Todestrakt gereift, hat erfolgreich seine Alkohol- und Drogensucht bekämpft und übernimmt die Verantwortung für das, was Wendy Offredo und Dawn McCreery geschehen ist, auch wenn er nach wie vor sagt, dass Clint Dickens der Haupttäter war. Seine Anwälte argumentieren, ihm sollte nicht nur deshalb Gnade gewährt werden, weil er nicht mehr der gleiche Mensch ist wie vor 22 Jahren, sondern auch, weil sein Urteil nicht mehr den modernen Standards entspricht. Heutzutage werden in Ohio weniger Todesurteile ausgesprochen als noch vor 20 Jahren. Das entspricht der landesweiten Entwicklung, nach der Geschworene sich immer seltener für Todesurteile aussprechen. Offenbar ist der Grund dafür, dass es inzwischen die lebenslange Haftstrafe ohne Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung auf Bewährung gibt, und dass die Öffentlichkeit zunehmend an der Zuverlässigkeit und Gerechtigkeit des Todesstrafensystems zweifelt. So wurden beispielsweise 1986 noch 300 Todesurteile ausgesprochen, während es 2007 nur noch 110 waren. 1986 wurde in Ohio in 17% der verhandelten Mordfälle das Todesurteil gefällt, 2007 nur noch in 6%. Diese Statistiken werfen die Frage auf, ob Richard Cooey heute noch – angesichts der strafmildernden Umstände – zum Tode verurteilt würde.

Die „American Bar Association“ (ABA), die amerikanische Anwaltsvereinigung, die keine Position zur Todesstrafe an sich vertritt, veröffentlichte im September 2007 ihre Bewertung des Todesstrafensystems in Ohio. Sie fordert, vorerst alle Hinrichtungen im Bundesstaat auszusetzen, da sie zu dem Schluss gekommen sei, dass die „Gerechtigkeit und Sorgfalt“ dieses Systems nicht garantiert sei und nicht gewährleistet werden könne, dass „die äußerste Strafe, die des Todes, ausschließlich für die schlimmsten Fälle und Straftäter vorbehalten“ sei. Zu den Problemen, die die Vereinigung aufzeigte, gehörten u.a. unangemessene Verfahren zum Schutz Unschuldiger vor der Todesstrafe, mangelhafte Standards für die Ausbildung von Strafverteidigern und unzulängliche Prüfverfahren für Rechtsmittel wegen Prozessfehlern.

Seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahre 1977 wurden in den USA 1.123 Menschen hingerichtet, davon 26 in Ohio. Bisher wurden dieses Jahr landesweit 24 Todesurteile vollstreckt. Amnesty International lehnt die Todesstrafe bedingungslos ab. In 137 Ländern der Welt ist die Todesstrafe per Gesetz abgeschafft oder wird nicht mehr vollzogen.
EMPFOHLENE AKTIONEN

SCHREIBEN SIE BITTE TELEFAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE

* Ihr Mitgefühl mit den Angehörigen von Wendy Offredo und Dawn McCreery zum Ausdruck bringen und erklären, dass Ihnen die Schwere des Verbrechens bewusst ist und Sie das entstandene Leid nicht verharmlosen wollen;
* auf das junge Alter von Richard Cooey zum Tatzeitpunkt, seine von schweren Misshandlungen geprägte Kindheit und seinen jahrelangen Alkohol- und Drogenmissbrauch hinweisen und darauf aufmerksam machen, dass er mehr als die Hälfte seine Lebens im Todestrakt verbracht hat und in dieser Zeit seine Alkohol- und Drogensucht bekämpft und seine Verantwortung für seine Verbrechen akzeptiert hat;
* Ihre Besorgnis darüber ausdrücken, dass Richard Cooey in seinem ersten Berufungsverfahren vom selben Anwalt betreut wurde, der ihn bei seinem Prozess vertreten hatte und dass die Gerichte alle Rechtsmittel, die unangemessene Rechtsvertretung geltend machten, abgelehnt haben;
* auf den Rückgang der Zahl der Todesurteile seit 1986, sowohl in Ohio als auch den gesamten USA, aufmerksam machen und Zweifel äußern, ob Richard Cooey auch heute noch, angesichts der strafmildernden Umstände, zum Tode verurteil würde;
* den Gouverneur darum bitten, Richard Cooey Gnade zu gewähren;
* auf den Aufruf der „American Bar Association“ für ein vorläufiges Moratorium der Hinrichtungen in Ohio hinweisen und mindestens einen Aufschub der Hinrichtung von Richard Cooey fordern, bis sich die Behörden Ohios der Bedenken der ABA angenommen hat.

APPELLE AN

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES OHIO
Governor Ted Strickland
Governor’s Office, Riffe Center, 30th Floor,
77 South High Street, Columbus,
OH 43215-6108,
USA
(korrekte Anrede: Dear Governor)
Fax: (001) 614 466 9354
Email: über http://www.governor.ohio.gov/

**KOPIEN AN **

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA

S.E. Herrn William Robert Timken, Jr.
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 20 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Schreiben Sie Ihre Appelle bitte sofort, damit sie noch vor dem 14. Oktober 2008 eintreffen.

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