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Unmenschliche Haftstrafen für Tibeter

12 November 2008 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden
Fotograf: Gerd Altmann / pixelio

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Seit dem 10. März 2008 kam es überall in Tibet zu friedlichen Protesten der Tibeter, nicht nur in der sogenannten Autonomen Region Tibet (TAR), sondern auch in den drei traditionellen tibetischen Provinzen. Dabei verliehen die Tibeter ihrem Wunsch nach der Rückkehr Seiner Heiligkeit des Dalai Lama und der Freilassung des Panchen Lama Ausdruck verliehen und forderten die chinesische Regierung auf, ihnen ein Leben in Freiheit zu gewähren. Diese ignorierte jedoch die berechtigten und legitimen Forderungen der friedlichen Demonstranten und behauptete, einige der Tibeter hingen der „Dalai Clique“ und dem Separatismus an und begingen deshalb gewalttätige Akte.

Obwohl es inzwischen weithin bekannt geworden ist, daß seit dem 10. März 2008 über 200 Tibeter zu Tode kamen und mehrere Tausend schwer verletzt worden sind und das sich noch etwa ebenso viele in Haft befinden, hat die chinesische Regierung dem UN-Komitee gegen Folter und anderen Gremien die wahre Lage in Tibet verschwiegen und verfälschte Berichte vorgelegt. Gleichzeitig werden gegen die Tibeter krasse und unfaire Haftstrafen verhängt und ihre fundamentalsten Menschenrechte gröblich verletzt.

Zuverlässigen Informationen zufolge wurde am 28. Oktober 2008 ein Jugendlicher aus dem Bezirk Serthar in der Tibetisch-Autonomen Präfektur (TAP) Kardze in der Provinz Sichuan vom Mittleren Volksgericht in Dartsedo zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Sein Name ist noch immer nicht bekannt.

Am 29. Oktober 2008 wurden der 26jährige Mönch Sherab Sangpo aus dem Kloster Dongthok sowie ein Schüler an der Mittelschule in Kardze in der Provinz Sichuan vom Mittleren Volksgericht in Kardze zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Ihnen wird vorgeworfen, am 26. März 2008 in Dartsedo eine nicht ganz drei Meter lange tibetische Nationalflagge aufgezogen zu haben.

Am 30. Oktober 2008 wurden der 53jährige Ngoega aus Serchuteng in Kardze zu acht Jahren und der 49jährige Norbu Tsering aus Drukhangteng zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Ngoega führte am 18. März eine friedliche Demonstration in der Präfektur Kardze an, in deren Verlauf er schwer verletzt wurde. Norbu Tsering war damals einer der Demonstranten.

Am Morgen des 28. Oktober 2008 wurde der 23jährige Mönch Ludrup Phuntsok, der Herausgeber der Zeitschrift „Mahseng Zhedra“ im Kloster Achog Tsenyi in der Präfektur Ngaba, zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Der 33jährige Mönch Ludrup Yeshi bekam 13 1/2 Jahre Gefängnis. Der 42jährige Mönch Tsultrim Gyatso und der 43jährige Mönch Ludrup Tendar wurden vom Mittleren Zivilgericht in Barkham zu jeweils drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Laut einer der Website der Lokalregierung Lhasas entnommenen Information wurden Lobsang Tsemey (Pasang) und Dhola vom Volksgericht des Kreises Lhundup im Regierungsbezirk Lhasa zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil beinhaltete auch die Aberkennung der politischen Rechte für die Dauer von fünf Jahren. Zusätzlich muß jeder von ihnen ein Bußgeld von 2.000 Yuan entrichten. Kalden Chodak (Kalden), Lhakdon, Tenpa Dhondup, Lobsang Khechog, Dorjee Dolma and Tashi Namgyal wurden zu Haftstrafen von fünf bis zu 14 Jahren verurteilt.

In einem anderen Fall verurteilte das Gericht im Kreis Chushul im Regierungsbezirk Lhasa Phuntsok Tenpa zu drei Jahren und neun Monaten, Phuntsok zu zwei Jahren und neun Monaten, Phuntsok Traden zu zwei Jahren und sechs Monaten, Lobsang Tsephel zu neun Jahren sowie Aberkennung der politischen Rechte für die Dauer von zwei Jahren, und Tsenam zu fünf Jahren Gefängnis.

Alle diese Fälle sprechen für die derzeit äußerst prekäre Situation in Tibet. Diese Informationen erhielten wir aus zuverlässigen Quellen in Tibet oder entnahmen sie den Medien. Sie zeigen, wie die chinesische Regierung mit ungewohnter Schärfe und extremen Repressionsmaßnahmen gegen das friedliche tibetische Volk vorgeht.

Angesichts der äußerst kritischen Situation in Tibet appellieren wir an die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft sowie Menschenrechtsorganisationen in der ganzen Welt, die VR China zu drängen, folgenden Forderungen stattzugeben:

1) unverzüglich unabhängige Untersuchungskommissionen nach Tibet zuzulassen;
2) unverzüglich der freien Presse Zugang zu ganz Tibet zu gewähren;
3) unverzüglich den brutalen Festnahmen, Inhaftierungen und dem Morden in ganz Tibet ein Ende zu setzen;
4) unverzüglich alle unschuldig festgenommenen und inhaftierten Tibeter freizulassen;
5) unverzüglich die unfairen Gerichtsverfahren und die ungerechtfertige Verurteilung friedlicher Demonstranten einzustellen.

Übersetzung der Pressemitteilung des Tibetischen Solidaritätskomitee: Tibet Initiative Deutschland e.V.

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