Home » Die Welt

Tibet: Unfairer Prozess gegen Mönche

24 Oktober 2008 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden
Tibet - VR China: Unfairer Prozess gegen Mönche

Abschreckungsschow im chinesischen Fernsehen: Massenhafte Urteile gegen Tibeter. Bild: guardian.co.uk

Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) jetzt erst erfahren hat, wurden am 23. September 2008 acht tibetische Mönche wegen angeblicher Sprengstoffanschläge zu Haftstrafen von fünf Jahren bis lebenslänglich verurteilt. Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, die Mönche hatten keinen Kontakt zur Außenwelt und verfügten über keinerlei rechtlichen Beistand.

Der Prozess gegen die Mönche des Klosters Thangkya in Gyanbe – Gyurmey Dhondup, Kalsang Tsering, Dorjee Wangyal, Rinchen Gyaltsan, Tsewang Yeshi, Kunga Phuntsok, Tsering Nyima und Trinley Wanggyal – wurde ohne ein faires juristisches Verfahren abgehandelt. Vom Zeitpunkt ihrer Verhaftung bis zu ihrer Verurteilung war ihnen jeglicher Kontakt zu Angehörigen oder Freunden versagt, auch erhielten sie keinen Rechtsbeistand. Das Gericht teilte weder die Begründung der Anklagen noch die Verurteilungen der Öffentlichkeit mit. Quellen der IGFM zufolge wurden zwei der Mönche zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, die übrigen erhielten Haftstrafen von 5 bis 15 Jahren.

Staatliche Zeitung verzögert Berichterstattung
Erst am 14. April verbreitete die chinesische Staatszeitung People’s Daily die Nachricht, dass es die Mönche waren, die in der Nacht vom 23. März 2008 einen Sprengstoffanschlag auf ein leerstehendes Gebäude neben der Stadtverwaltung von Gyanbe verübt hätten. Allerdings sind bereits Anfang April 10 Mönche und ein Tibeter der Durchführung des Anschlags beschuldigt und verhaftet worden. Einer der Mönche kam kurze Zeit später frei, von einem weiteren fehlt seit seiner Festnahme jede Spur. Der Tibeter Tseten befindet sich nach wie vor im Bezirksgefängnis von Gonjo, sein Prozess steht noch bevor.

Spannungen zwischen Kloster und Behörden im Vorfeld

Schon Monate vor dem Attentat herrschten Spannungen zwischen dem Kloster Thangkya und der Gemeindeverwaltung von Gyanbe. 2007 hatten die Mönche durch Verzicht auf Fleisch ihre Solidarität mit dem Dalai Lama bekundet. Daraufhin schickten die lokalen Behörden ab November 2007 mehrmals sogenannte „Umerziehungsbrigaden“ ins Kloster, um die Mönche zum „Patriotismus umzuerziehen“. Die Mönche verweigerten die Kooperation und hängten Plakate „Free Tibet“ auf.

Anfang März 2008 ließen die Behörden das Kloster besetzen und es durch die Polizei rund um die Uhr überwachen. Nach der Explosion vom 23. März wurden überwiegend die Mönche verhaftet, die sich am stärksten gegen die „patriotische Umerziehung“ gewehrt hatten, erklärt die IGFM.

Pressemitteilung der IGFM

Kommentare sind geschlossen.