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Nahrungsressourcen und Artenvielfalt im Meer stark bedroht!

7 Juli 2009 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

 

Ertrinkender Seehund als Beifang (WWF)Der WWF (World Wide Fund For Nature) ist stark besorgt über die weiter fortschreitende Zerstörung der Meeresfauna durch Beifang und Überfischung. In internationaler Zusammenarbeit mit Fischerei Verbänden und Verteibern von Fischprodukten entstand so das MCS (Marine Stewardship Council)  Gütesiegel für nachhaltige Fischerei.  Der WWF stellt für den verantwortungsvollen Verbrauer den WWF MINI – Einkaufs – Fischführer bereit, der beim Einkauf von Fischprodukten helfen soll stark gefährdete Fischarten zu schützen. Laut der Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization) sind 75 Prozent der weltweiten kommerziell genutzten Fischbestände bis an oder gar über ihre Grenzen befischt. Neben vielen wirbellosen Tieren, wie Seesternen, Krebstieren und unzähligen Fischen, sterben auch sehr viele Wale und Delfine als Beifang in den Fischnetzen. Jährlich ertrinken nach Schätzung von Experten etwa 300.000 Wale, Delphine und Tümmler weltweit, als ungewollter Beifang durch Fischereigeräte. Damit sterben durch die Fischerei so viele oder vielleicht sogar mehr Wale als vor einigen Jahrzehnten zur Hauptzeit des Walfangs. Über 60 Prozent der von Wissenschaftlern ausgewerteten Fotos von Walen weisen Wunden und Narben auf, die von Fischereigeräten und Netzen stammten.

In der Nordsee sind 77 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände überfischt, in der Ostsee  75 Prozent. Auch bei uns so beliebte Fischarten wie zum Beispiel Kabeljau oder Dorsch, Scholle und Seezunge werden zu stark beansprucht. Durdch zerstörerische Fangmethoden z.B Baumkurrennetze, die wie Bulldozer über den Meersbodenpflügen, zerstören das ökologische Gefüge in den Meeren. Nach Schätzungen der FAO werden so allein jährlich zu den rund 90 Millionen Tonnen angelandetem Meeresfisch etwa 30 Millionen Tonnen Meerestiere nutzlos verschwendet. Kurzfristige wirtschaftliche Interessen bestimmen die Nutzung einer der letzten natürlichen Nahrungsressourcen der Welt. Die Politik ignoriert die Krise! Die zuständigen Minister der EU-Länder müssen an etwas anderes gedacht haben, als sie im Dezember 2005 einmal mehr die Fangmengen für die Fischbestände deutlich über den Empfehlungen der wissenschaftlichen Experten festsetzten.

260_Grafik-Fischratgeber_Titelbild__c__WWFDer WWF-EINKAUFSFÜHRER bietet Verbrauchern einen einfachen Weg, sich beim Kauf von Fisch zu orientieren. Auf einen Blick sieht jeder, welcher Fisch „annehmbar“, „bedenklich“ oder „bedrohlich“ ist. Dabei bezieht sich der WWF-Fischführer auf die handelsüblichen Bezeichnungen der Fischarten. Die Angaben zum Fanggebiet entsprechen ebenfalls den Bezeichnungen im Handel.  Der WWF würden gerne differenziertere Empfehlungen geben aber wie folgendes Beispiel zeigt, ist dafür eine genauere Auswiesung des Fangebietes unumgänglich: Kabeljau im Handel ist i.d.R. mit der Angabe „Nordostatlantik“ versehen. Der Nordostatlantik erstreckt sich von Grönland biszur Spitze Portugals. Fünf Kabeljaubestände leben in diesem Gebiet, zweien davon, isländischem und Barentssee-Kabeljau geht es ganz gut, die restlichen drei sind stark gefährdet. Da Sie als Verbraucher diese Information aber nicht bekommen und drei der fünf Bestände im Nordostatlantik in katastrophalem Zustand sind, raten wir vom Kabeljau-Kauf ab.


09_ueberfischungDer WWF empfiehlt generell, Fisch mit dem blauen Gütesiegel des Marine Stewardship Council (MSC) zu bevorzugen. Immer mehr Fischprodukte tragen dieses Siegel. Da aber nicht jeder Fisch ohne MSC-Siegel, bedenklich ist, empfiehlt der Fischführer darüber hinaus weitere Fischarten. Zur Beurteilung dieser Fischbestände haben wir uns einer von internationalen Umweltschützern entwickelten Methode bedient. Dieses System basiert auf einem Set von grundlegenden Kriterien aus drei Kategorien: biologische Charakteristika der Arten, ökologische Effekte der Fischereiaktivitäten und das Management der Fischerei. In jeder Kategorie können maximal acht Punkte erreicht werden. Die erreichte Punktzahl wird durch die Höchstpunktzahl 24 dividiert, um zur Beurteilung eines Fischbestandes zu kommen: „Bedrohlich“ 0-39 Prozent, „Bedenklich“ 40-59 Prozent“,  „Annehmbar“ 60-100 Prozent der Gesamtpunktzahl.

MSC – das blaue Siegel für nachhaltige Fischerei. Fast 400 Seafood-Produkte in 26 Ländern tragen heute bereits das blaue Gütesiegel des MSC („Marine Stewardship Council). Nach Schätzungen des Fischinformationszentrums in Hamburg sind in Deutschland derzeit etwa 10 Prozent des verbrauchten Fisches MSC-zertifiziert, mit steigender Tendenz. Fischereien, die sich zu einer umweltverträglichen und damit nachhaltigen Fischerei verpflichtet haben, können das MSC-Siegel erhalten. Die Überfischung und Zerstörung des Lebensraums durch schädliche Fischereimethoden ist so ausgeschlossen. Der heute unabhängige MSC wurde 1996 als Antwort auf die weltweite Fischereikrise von WWF und Unilever, einem der weltweit größten Fisch-Verarbeiter, gegründet. Das Ziel ist es, mit dem MSC-Umweltsiegel zur Zukunftssicherung der weltweiten Fischbestände beizutragen. In Deutschland hat Alaska Seelachs einen Marktanteil von knapp 18 Prozent. Beliebte Produkte wie Fischstäbchen sind jetzt auch MSC-zertifiziert zu erhalten. Immer mehr Firmen entscheiden sich, MSCProdukte in ihr Sortiment zu bleibt so langfristig die Ressource Fisch erhalten und ihr Verhalten wird durchaus vom Verbraucher honoriert. MSC Wildlachs aus Alaska zum Beispiel ist heute, fünf Jahre nach der Zertifizierung der Fischerei, ein etabliertes Produkt. Auch die erste EU Fischerei, eine Nordsee Heringsfischerei, hat erst kürzlich das MSC-Label verliehen bekommen.

Heute tragen weltweit 21 Fischereien das MSCSiegel, 13 weitere Fischereien werden derzeit geprüft. 42 Prozent der weltweiten Wildlachsfänge, 32 Prozent der Weißfischfänge und 18 Prozent der Hummerfänge sind zertifiziert. Schätzungsweise vier Prozent des globalen Fischfangs stammen aus MSC-Fischereien. Auch wenn das erst ein Anfang ist, der WWF ist überzeugt, dass der MSC ein entscheidender Baustein für die Etablierung nachhaltiger Fischereien weltweit ist.

R. Weserit


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