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Mord an Alischer Saipow nach einem Jahr noch nicht aufgeklärt

31 Oktober 2008 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

Ein Jahr nach der Ermordung des kirgisischen Journalisten Alischer Saipow fordert Reporter ohne Grenzen (ROG) die kirgisischen Behörden auf, die Ermittlungen neu aufzunehmen und die Tat aufzuklären. Saipow wurde am 24. Oktober 2007 in der kirgisischen Stadt Osh erschossen. Bisherige Ermittlungen sind bereits zweimal eingestellt worden und blieben ergebnislos. Der usbekischsprachige Alischer Saipow schrieb und veröffentlichte regelmäßig kritische Berichte über den usbekischen Präsidenten Islom Karimow.

„Die Täter dürfen nicht straffrei bleiben. Wenn die Ermittler ihre Aufgabe ernst nehmen, müssen sie auch in Erwägung ziehen, dass der Mord mit Saipows journalistischer Arbeit zusammenhängt. Der Verdacht besteht, dass der usbekische Geheimdienst bei dem Mord eine Rolle spielt, deswegen sollten die usbekischen und kirgisischen Behörden bei den Ermittlungen zusammenarbeiten“, fordert ROG.

Alischer Saipow wurde am 24. Oktober 2007 gegen 19 Uhr mit drei Schüssen aus der Nähe, einer davon in den Kopf, erschossen. Er war dabei, das Büro von Radio Free Europe (RFE) im Zentrum von Osh, der zweitgrößten Stadt in Kirgisistan zu verlassen. Der 26-jährige Journalist arbeitete für RFE und für den Auslandssender der USA Voice of America. Er schrieb auch für verschiedene Informationsportale im Internet sowie für das in London ansässige Institute for War and Peace Reporting. Er veröffentlichte zudem das Wochenmagazin Siyosat in usbekischer Sprache  mit aktuellen politischen Berichten über Kirgisistan und Usbekistan. Einen Monat vor seiner Ermordung nannte eine regionale Fernsehstation in der usbekischen Stadt Namagan Saipow einen „Komplizen von Kräften, die versuchen das Land zu destabilisieren“.

Nach dem Mord an Saipow haben die kirgisischen Behörden angekündigt zu prüfen, ob die Tat mit seiner journalistischen Arbeit in Verbindung steht und ob der usbekische Geheimdienst darin verwickelt war. Der kirgisische Präsident Kurmanbek Bakijew hatte angekündigt, sich persönlich bei den Ermittlungen einzusetzen. In den nachfolgenden Erklärungen ignorierten die Behörden diese Hinweise allerdings, sie stellten statt dessen die Vermutung auf, dass der Mord in Verbindung mit islamistischen, in Usbekistan verbotenen Gruppierungen stünde, mit denen Saipow in Kontakt gewesen sei. 

Im Februar 2008 hat die Leitung der „Abteilung des Kampfes gegen die organisierte Kriminalität“ die Ermittlung eingestellt. Die Entscheidung wurde mit einem „Mangel an Beweisen“ begründet. Nach ihrer Wiederaufnahme wurden die Ermittlungen ein zweites Mal Ende März 2008 eingestellt. Die Polizei sei nicht imstande, einen Täter zu identifizieren, hieß damals die offizielle Begründung.

Saipows Vater schrieb im Juni einen Brief an den kirgisischen Präsidenten, in dem er die usbekischen Behörden beschuldigte, für den Mord verantwortlich zu sein und den kirgisischen Behörden vorwarf, seinem Sohn keine Sicherheit gewährt zu haben.

In einem Antwortbrief schrieb der Innenminister, die Ermittlungen in dem Fall würden fortgesetzt und die Ermittler hätten zudem eine beachtliche Arbeit geleistet. Ein konkretes Ergebnis der Untersuchung nannte der Minister allerdings nicht. Der Sprecher des Innenministers versicherte, wenn es Beweise dafür gebe, dass der usbekische Geheimdienst in den Fall verwickelt sei, würde die usbekische Regierung sofort darüber informiert werden.

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