Home » Deutschland, Die Welt, Urgent Action

Regenwald in Palmöl

23 Juli 2009 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

Autor: Reiner Wenserit 23.07.2009

die-umdenker.pytalhost.de

Wenn es um die Verantwortung der Industrieländer für den Rückgang der tropischen Wälder geht, fällt der erste Gedanke auf unseren Tropenholzkonsum. „Googelt“ man nach Mahagoni Möbeln werden so ca. 47.700 Treffer erzielt. Woher das Holz stammt wird nur in den seltensten Fällen wirklich klar. Der kommerzielle Holzeinschlag stellt weltweit die größte Bedrohung für die Primärwälder in den Tropen dar. Darüber hinaus gibt es aber eine Vielzahl weiterer Zerstörungsursachen, die regional sogar von größerer Bedeutung sein können, als die Holznutzung. In Südostasien und Madagaskar breitet sich vor allem die Ölpalme auf Kosten der noch vorhandenen Wälder aus. In Madagaskar wird eine politisch instabile Situation von Globel Player genutzt um eine einzigartige Natur nach ökonomischen Gesichtspunkten auszubeuten wobei auch dort die Ölpalme eine Rolle spielt.

Das hat fatale Folgen für die Menschen und Tiere vor Ort. Kaum eine Kulturpflanze der tropischen Regionen kann auf derartige Expansionsraten in den letzten beiden Jahrzehnten zurückblicken wie die aus Äquatorialafrika stammende Ölpalme  Grund hierfür: Der Pflanzenzüchtung ist es gelungen, die Ölpalme zur weltweit ertragreichsten fettliefernden Pflanze zu machen. Deshalb fressen sich die Ölpalmenplantagen immer weiter in die noch vorhandenen tropischen Wälder hinein. Vielfach kommt es zur Vertreibung der lokalen Bevölkerung und unkontrollierten Brandrodungen. Die Artenvielfallt an Pflanzen und Tieren reduziert sich ständig, noch unentdeckte, unerforschte Heilpflanzen werden ausradiert, “ Es Lebe die Monokultur“ mit all ihren uns längst bekannten vernichtenden Auswirkungen für die Anbauflächen. Den dort lebenden Menschen werden die Lebensgrundlagen entzogen, in auswegloser Armut gestürzt, um sie dann als billige Lohnsklaven zu benutzen, oder finden sie entwurzelt als Flüchtlinge in Europa wieder. Dies sind die Opfer einer Industrie und Konsumgesellschaft ohne jeglichen Respekt vor Dem, für dessen höchste Schöpfung sie sich hält!

Die Lebensmittelindustrie ist der größte Abnehmer von Palmöl. Sie verarbeitet Palmöl in Margarine, Chips, Schokoriegeln, Fertiggerichten, Waschmitteln, Kosmetika und noch vielen anderen Produkten. Ein rissiger Markt für die Palmölindustie natürlich ansässig in einem Industrieland. Flora, Fauna, Umwelt und der Mensch, Opfer einer masslosen Gier nach Geld und ohne einem sicheres Konzept für Nachhaltigkeit und Naturschutz.

Viele Firmen die Palmöl verwenden, erhielten kürzlich Post von ROBIN WOOD -ja es sind Natur und Umweltaktivisten und so manches Wirtschaftsunternehmen würde sie gerne als Terroristen zum Abschuss frei geben. Die Unternehmen wurden aufgefordert, zur aktuellen Situation der Palmölgewinnung Stellung zu beziehen. Die Mehrzahl gab sich mit den negativen Folgen des Ölpalmenbooms weltweit durchaus vertraut, um gleich darauf jede Verantwortung von sich zu weisen. Typisch dafür war das Schreiben von Procter & Gamble (Ariel, Lenor, Meister Proper):

„Wir möchten Ihnen mitteilen, dass alle unsere Rohmaterialien, dazu gehört auch Palmöl, generell unter der Beachtung sozialer, ökologischer und ökonomischer Aspekte ausgewählt werden.“

Wobei ganz sicher die Ökonomische Betrachtung Siegte!!! Bei Henkel sind einfach die anderen Schuld:

„Der Anbau von Ölpalmen ist nicht Ursache für die Zerstörung des Regenwaldes. Für die Zerstörung des Regenwaldes in Indonesien ist in erster Linie die Holznutzung als billige Einkommensquelle verantwortlich zu machen.“

Da wird der schwarze Peter einfach weiter gereicht. Der Holzhandel dagegen argumentiert immer wieder gern, dass die Landwirtschaft, also auch der Anbau der Ölpalme, verantwortlich sei für den Waldrückgang. Aber für meinen Geschmack setzen unsere Politiker mit einer indirekten Subventionierung des Palmöls durch das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) dem ganzen noch die Krone auf.

Viele Betreiber von Blockheizkraftwerken haben von regional angebautem Rapsöl auf Palmöl umgestellt. Palmöl ist zurzeit günstiger als Rapsöl und wird wie Rapsöl durch das EEG  subventioniert. Unabhängig von der Herkunft des verwendeten Palmöls oder der Nachhaltigkeit und deren Nachweis bekamen die Betreiber 2007 mindestens 200 Millionen Euro aus der im Strompreis enthaltenen EEG-Umlage vergütet. So wurden alleine 2007 ca. 1,3 Milliarden Kilowattstunden (kWh) mittels Palmöl in deutschen Blockheizkraftwerken erzeugt. So wird das Sägen an unserem eigenen Ast noch effektiver und eindeutig Kostengünstiger gestaltet!

Hallo, hallo hat hier jemand den Knall nicht gehört? Oder wird so vielleicht eine Lobby bedient?!

Sei es wie es wolle, wir als Verbraucher müssen Handeln, denn „noch“ haben wir die Macht, ja wir haben die Macht in unseren Händen, durch unser Verweigerung solcher Produkte, der Forderung an die Politik für genauerer Deklaration der Inhaltsstoffe zu sorgen, die Hersteller solcher Produkte zu zwingen ihre Herstellung zur Nachhaltigkeit und Schutz der Artenvielfalt zu verändern. Verantwortlich verhalten sich nur die Biohersteller, die von anerkannten Bioanbauverbänden zertifiziert werden. Diese verwenden Rohstoffe aus sozial und ökologisch akzeptablen Quellen. Beim Kauf von Tropenholz auf das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) zu achten, oder besser heimische Holzsorten zu bevorzugen. Kaufen Sie biologisch erzeugte Lebensmittel.  Fragen Sie auch bei Kosmetika, ob darin Palmöl enthalten ist. Es gibt Hersteller, die auf den Einsatz von Palmölen verzichten. Verwenden Sie nach Möglichkeit Reinigungsmittel sowie Waschmittel, die auf Seifenbasis hergestellt sind und vermeiden Sie unnötige Waschgänge. Klären Sie Ihre Kinder über den Grund Ihres veränderten Kaufverhaltens auf, machen Sie die Gründe zum  Zuhause und in ihrem Bekanntenkreis zum Thema. YouTube Preview Image 
So können wir dazu beitragen, dass die tropischen Lebensräume nicht weiter zerstört werden und alle daraus resultierende Folgeerscheinungen für Umwelt, Mensch und Tier vermeiden. Für eine Lebenswerte Zukunft sollten wir nicht zu bequem sein unsere ökonomische Macht, ja Sie haben Macht, also die Macht des Verbrauchers anzuwenden, denn dies täten wir für uns und unseren Kindern!

 

Kommentare sind geschlossen.