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Malta: Ärzte ohne Grenzen stellt Aktivitäten in Internierungslagern für nicht registrierte Migranten und Asylsuchende auf Malta ein

21 März 2009 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

Ärzte ohne Grenzen hat die Einstellung der Nothilfeprojekte in drei Internierungslagern für nicht registrierte Migranten und Asylsuchende auf Malta angekündigt. Die Entscheidung folgt einer Reihe von Ersuchen der internationalen humanitären Organisation an die maltesischen Behörden, die Lebensbedingungen und die Gesundheitsversorgung in den Lagern zu verbessern. Wenn nicht eingegriffen wird, sieht Ärzte ohne Grenzen sich nicht in der Lage, unabhängige, medizinische Hilfe in den Internierungslagern zu leisten. Die Organisation bleibt aber auf der Insel, um Migranten und Asylbewerber in den bestehenden offenen Lagern zu unterstützen und Neuankömmlingen medizinische Hilfe anzubieten.

Ärzte ohne Grenzen ist seit Beginn seiner Aktivitäten auf Malta im August 2008 Zeuge der inakzeptablen Bedingungen in den Lagern, in denen Migranten und Asylbewerber wie Gefangene gehalten werden. Männer, Frauen und Kinder teilen sich einen Lebensbereich, es fehlen Betten, Fenster sind kaputt und Sanitäreinrichtungen in schlechtem Zustand. Diese Bedingungen gefährden die physische und mentale Gesundheit der Migranten und Asylsuchenden, von denen mehr als die Hälfte aus Ländern mit offenen Konflikten und weitverbreiteten Verletzungen der Menschenrechte kommt.

Ärzte ohne Grenzen hat auf Malta seit August 2008 mehr als 3.200 medizinische Konsultationen und 266 psychologische Beratungen durchgeführt. Viele Gesundheitsprobleme der Gefangenen resultieren aus der harten Fahrt zur Insel und könnten sich durch die inakzeptablen Lebensbedingungen in den überfüllten Lagern verschlimmern. Eine zusätzliche Gesundheitsbedrohung ist der Mangel an angemessenen Isolationsbereichen für Patienten mit infektiösen Krankheiten.

Ärzte ohne Grenzen hat den Zustand von 60 Personen, die gesund in den Lagern angekommen waren, fünf Monate beobachtet. Während dieser Zeit wurden in der Gruppe 65 Krankheitsfälle wie Krätze, Windpocken und Atemwegsinfektionen diagnostiziert. „Wenn sie einmal krank sind, haben die Gefangenen kaum Zugang zu einer Behandlung. Das System der maltesischen Behörden garantiert keine angemessene medizinische Betreuung, ausreichend Medikamente oder vernünftige Nachsorge für schwere Krankheiten wie Masern, Tuberkulose oder Windpocken“, sagte Philippa Farrugia, Ärztin von Ärzte ohne Grenzen auf Malta. Darüber hinaus verurteilt Ärzte ohne Grenzen die Verhaftung von Asylsuchenden und ungeschützten Gruppen von Migranten wie Schwangeren, Kranken und Kindern.

„Trotz der wiederholten Aufrufe an die maltesischen Behörden die Aufnahmestandards zu verbessern, gerade angesichts der massiven Ankünfte von Migranten und Asylsuchenden in der zweiten Jahreshälfte von 2008 und zu Beginn dieses Jahres, hat sich in den letzten sechs Monaten nichts geändert“, sagte Giuseppe De Mola, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. „Deswegen hat sich Ärzte ohne Grenzen entschieden, die Aktivitäten in den Internierungslagern einzustellen und die Arbeit in den bestehenden offenen Lagern fortzuführen.“

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