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Kongo: Fehlender Schutz der Bevölkerung von Haut-Uélé vor der Gewalt ugandischer Rebellen

5 Februar 2009 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

Angesichts der zügellosen Gewalt ugandischer Rebellen gegen die Bevölkerung der kongolesischen Provinz Haut-Uélé klagt Ärzte ohne Grenzen die Untätigkeit der Friedenstruppe der Vereinten Nationen (Monuc) an. In der Provinz im Nordosten des Kongo hat die ugandische Lord’s Resistance Army (LRA) seit der Weihnachtszeit mehr als 50 Städte und Dörfer angegriffen. Dutzende Orte wurden niedergebrannt, Hunderte Zivilisten ermordet, Männer, Frauen und Kinder entführt. „Die Resolution 1856 des Sicherheitsrates vom 22. Dezember 2008 erklärt den Schutz der Zivilbevölkerung zur Priorität der UN-Friedenstruppe“, sagte Marc Poncin, Programmverantwortlicher von Ärzte ohne Grenzen für die Demokratische Republik Kongo in Genf. „Die Monuc muss ihrer Verantwortung nachkommen und die systematisch attackierten Bewohner von Haut-Uélé schützen. Weitere Massaker sind zu erwarten.“

Bei den Angriffen wurden bislang etwa 900 Menschen getötet. Ein Bewohner des Dorfes Batandé, nahe der sudanesischen Grenze, musste an Weihnachten zusehen, wie seine Familie massakriert wurde: „Sie haben sie auf eine Wiese gebracht und dann systematisch ermordet. Absolut niemand wurde verschont: Kinder, Säuglinge, schwangere Frauen, alte Menschen. Alle wurden sie umgebracht. Mehr als 60 Menschen.“ Die Überlebenden flüchten vor den Massakern in die Wälder. Dort warten sie vergeblich auf humanitäre Hilfe, die wegen der unsicheren Lage nicht zu ihnen gelangt.

Die in der Provinz herrschende Instabilität macht jegliche Hilfe außerhalb der Stadt Dungu praktisch unmöglich. Die Risken, in einen überraschenden Angriff zu geraten, sind zu groß. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind trotzdem mehrmals in die Orte Faradje, Doruma und Bangadi geflogen, um den Überlebenden zu helfen. Jedes Mal konnten sie aber nur einige Stunden bleiben, um die wenigen noch lebenden Verletzten zu behandeln. „Wir kamen zwei Tage nach dem Angriff nach Faradje und fanden vier Schwerverletzte, die dort vermutlich zum Sterben zurückgelassen worden waren“, beschrieb der Arzt Mathieu Bichet. In Faradje wurden bei jenem Angriff mehr als 140 Menschen getötet.

Schockiert von den extremen Gewalttaten der LRA versteht Ärzte ohne Grenzen die Untätigkeit der Monuc nicht. Schon beim Angriff auf Dungu am 1. November 2008 haben die Blauhelme ihre Basis nicht verlassen. Auch danach haben sie nie eingegriffen, um die Bevölkerung betroffener Städte zu schützen, auch nicht als die Angriffe zunahmen. Die Zahl der Blauhelme hat sich seit ihrer Stationierung im Juli 2008 kaum verändert, obwohl sich die Lage seither dramatisch verschlechtert hat.

Ärzte ohne Grenzen leistet in Haut-Uélé mit sechs internationalen und 25 kongolesischen Mitarbeitern Nothilfe für die Verletzten und bietet mit mobilen Kliniken Behandlungen für Vertriebene in der Umgebung von Dungu an. Außerdem unterstützen die Mitarbeiter die Gesundheitsstrukturen in Doruma, Bangadi, Faradje, Ngilima und Li-May.

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