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G8 und AIDS in der (Wirtschafts)-Krise

24 Juli 2009 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

Autor: Reiner Wenserit 24.07.2009

AfrikaHiv

Neben der im Moment grassierenden Schweinegrippe und der Sorge vor der Vogelgrippe ist die AIDS Infektion und die Behandlung der Betroffenen in den Hintergrund geretteten. Aber auch wenn es uns nicht direkt betreffen sollte bietet dieses Thema ein erschreckendes Bild der dissozialen Verhältnise  von  HIV- Infizierten in Afrika unter andern bedingt durch das Gewinnstrebens der Pharmaindustrie. Nach Angaben der Vereinten Nationen leben rund zwei Drittel der weltweit 33 Millionen Aidskranken im Afrika südlich der Sahara. In Südafrika sterben täglich rund 1.000 Menschen an der Krankheit. Auf dem Bild sieht man eine arme doch glückliche Familie, doch wie lange wird das Glück noch anhalten?


AIDS und die Kinder in Afrika VIDEO

AIDS und die Kinder in Afrika VIDEO

Die Internationale AIDS-Konferenz in Kapstadt vom 19. bis 22. Juli 2009 ging gestern zu Ende. Afrika leidet unter einem immer gefährlicheren Mangel an Aidsmedikamenten. Eine Folge der Wirtschaftskrise. Kritik geht auch an die G-8.Internationale Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, UNICEF, UNO, Abgesandte der Geberländer und ca.5000 Arzte berieten vier Tage über neue Therapien, Präventionen und der Situation der ärztlichen Versorgung der Betroffenen. In einer Pressemitteilung wies die Internationalen Aids-Gesellschaft IAS darauf hin, dass bereits mehrere westliche Regierungen infolge der internationalen Finanzkrise vorher zugesagte Hilfen zur AIDS-Bekämpfung reduziert oder ganz einbehalten haben. Dadurch befinde sich die weltweite Anti-Aids-Kampagne in einer kritischen Phase. Kritik wurde während der dreitägigen Aids-Konferenz an den Regierungen der G-8-Staaten geübt. Diese hätten bei ihrem Treffen im schottischen Gleneagles vor vier Jahren noch den «universalen Zugang» zu den Medikamenten bis 2010 versprochen: Beim jüngsten Gipfel im italienischen L’Aquila sei das Thema nicht einmal mehr auf der Tagesordnung erschienen. «Dies ist vollkommen inakzeptabel», sagte der Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft, der kanadische Wissenschaftler Julio Montaner.

Ärzte ohne Grenzen warnten dass dadurch Aids-Patienten, die neue Präparate benötigen, zum Tode verurteilt sind. Während sieben Millionen Menschen weiterhin keinen Zugang zu antiretroviralen Medikamenten haben, bedroht die unzureichende Finanzierung nun auch noch eine Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten. In ganz Südafrika würden gegenwärtig keine neuen Patienten mehr in die staatlichen Programme für Aidscocktails aufgenommen. Derzeit werden 750’000 von 5,5 Millionen HIV-Infizierten versorgt. UNICEF warnte auf der Konferenz davor, dass die globale Finanzkrise jüngste Fortschritte im Kampf gegen AIDS gefährden könnte. Bis heute sind die am stärksten von der AIDS-Epidemie betroffenen Länder nicht in der Lage, die medizinische Versorgung für alle betroffenen Menschen zu sicher. Der größte Teil der AIDS-Medikamente und Testmöglichkeiten in den ärmsten Ländern wird aus Spenden von Regierungen, Stiftungen, Firmen und Organisationen finanziert. „Sollten diese Mittel gekürzt und dadurch Therapien unterbrochen werden, hätte dies lebensbedrohliche Folgen“, sagte die Geschäftsführerin von UNICEF Deutschland Regine Stachelhaus. Experten verweisen darauf, dass selbst eine nur kurzfristige Unterbrechung der Einnahme von Aidscocktails tödliche Folgen haben kann, weil bei einer Wiederaufnahme der Behandlung aus Gründen der Resistenzbildung andere Medikamente benutzt werden müssen. In Khayelitsha einem Township am Stadtrand von Kapstadt betreiben „Ärzte ohne Grenzen“ ein AIDS-Center und es ergab sich das bei 16 Prozent der dort behandelten Patienten die Behandlung mit Medikamenten der ersten Linie nach fünf Jahren versagt. Bei einem Viertel der Patienten, die zur Behandlung mit Medikamenten der zweiten Linie wechseln, schlägt auch diese Behandlung innerhalb von zwei Jahren fehl. Da in Südafrika, wie auch in vielen anderen armen Ländern, keine Behandlung der dritten Linie verfügbar ist, sind diese Patienten vom Tode bedroht. „Was wir derzeit in Khayelitsha sehen, werden wir in Kürze in ganz Afrika erleben, wenn sich nicht schnell etwas ändert“, sagte Eric Goemaere, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. „Wir müssen die Medikamente der ersten Linie anbieten, um ein Versagen der Behandlung zu vermeiden. Außerdem müssen wir Zugang zu Medikamenten der zweiten und dritten Linie gewährleisten. Nichts davon ist bisher passiert, so sind Tausende Aids-Patienten zum Tode verurteilt.“

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Lebensrettende Behandlung von HIV - drei Probleme, eine Lösung (in Englisch)VIDEO

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Wiso es zuwenig HIV - Medikamente für Kinder gibt (Englisch)VIDEO

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Wie schwierig es ist, die richtigen HIV-Medikamente zu bekommen (Englisch) VIDEO

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Es gibt eine Lösung - Sehen SIe hier, wie ein Patent-Pool funktionieren könnte (Englisch) VIDEO

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Im Gegensatz zu älteren Medikamenten der ersten Linie sind die meisten Medikamente der zweiten und dritten Linie patentiert. Ihre Preise sind für Patienten in armen Ländern wie Südafrika, Uganda, Malawi, Guinea, Zimbabwe und dem Kongo unerschwinglich. In einigen dieser Länder würde ein Wechsel von einem Medikament der ersten Linie zu einem Medikament der zweiten Linie den Preis  um das Siebzehnfache erhöhen. Um die Kostenspirale zu stoppen, müssten die Länder routinemäßige Maßnahmen anwenden, wie Zwangslizensierungen, die es den Generika-Produzenten ermöglichen, Medikamente zu erschwinglichen Preisen zu produzieren. Medikamentenhersteller sollten ihre Patente daher in den so genannten Patent-Pool geben, der von der internationalen Einrichtung zum Erwerb von Medikamenten UNITAID geschaffen wird. Ärmere Länder könnten so Zugang zu bezahlbaren Medikamenten bekommen. Der Patent-Pool stellt Generika-Produzenten oder Forschern Lizenzen zur Verfügung, für die sie im Gegenzug eine Gebühr an den Urheber zahlen. Generika sind sogenannte Nachahmer- Medikamente, die dieselben Wirkstoffe enthalten wie patentgeschützte, aber meist teurere Originalpräparate.

Zusammenfassend ist das Problem der AIDS-Bekämpfung ob in Afrika oder der westlichen Welt nach wie vor mit einem erheblichen SUPER-GAU Potenzial versehen. In Anbetracht des finanziellen wie auch viralen Nord-Süd- Gefälles sind Industrieländer sowohl aus humanitären Gründen, als auch zu ihrem eigenen Schutz, aufgerufen auf die entsprechenden Pharmakonzerne einzuwirken, das die UNITAID geschaffen werden kann. Und ihre finanzielle Unterstützung trotz Wirtschaftskrise aufrecht erhält und weiterhin erweitert. So könnten auch wir uns ein Herz und ins Portomanie fassen und durch Spenden an „Ärzte ohne Grenzen“ oder UNICEF unsere Solidarität und Verantwortung für eine bessere Welt beweisen.

 

Hier geht es zum  Spendenkonto der „Ärzte ohne Grenzen“

und hier zum Spendenkonto der „UNICEF“

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