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Haiti: Gesundheitssystem hat große Lücken

18 April 2009 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

haitiBei der Konferenz in Washington zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Haitis treffen der UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon und die haitianische Premierministerin Michèle Pierre Louis mit Vertretern von mehr als 30 Geberländern zusammen. Die internationale humanitäre Organisation Ärzte ohne Grenzen ruft die haitianische Regierung und die Geber dazu auf, angesichts der Krise des dortigen öffentlichen Gesundheitssystems sofort konkrete Maßnahmen zu ergreifen. „Die haitianische Regierung und die Geberländer dürfen die Bedürfnisse der verarmten Haitianer nicht vergessen, die dringend einen angemessenen Zugang zur öffentlichen Gesundheitsversorgung benötigen“, sagte Brian Philip Moller, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen im Trinité Trauma- und Rehabilitationszentrum.

Für Ärzte ohne Grenzen ist es inakzeptabel, dass die Ärmsten Haitis keinen Zugang zu einer bezahlbaren und angemessenen Notfall- und Geburtshilfeversorgung haben. Obwohl die Lage in der Hauptstadt Port au Prince in den vergangenen zwei Jahren stabiler geworden ist, sind die ärmsten Einwohner immer noch von der kostenlosen Notfallversorgung durch Ärzte ohne Grenzen abhängig. Die Gebühren, die private wie öffentliche Gesundheitseinrichtungen verlangen, sind für die meisten Menschen nicht bezahlbar. Öffentliche Gesundheitszentren und Krankenhäuser leiden oft unter Managementproblemen, Streiks, fehlendem Personal sowie einem Mangel an medizinischem Material und Medikamenten.

„Unsere medizinischen Einrichtungen werden von Patienten überflutet. Manchmal haben wir keine andere Wahl, als unsere Patienten in andere öffentliche Krankenhäuser zu schicken, auch wenn sie dort vielen Hindernissen begegnen“, so Massimiliano Cosci, Koordinator der Programme in Martissant. „Viele Patienten erzählen uns anschließend, dass es dort keine Medikamente oder kein Personal gab oder dass sie wegen Überfüllung heimgeschickt wurden. In vielen Fällen konnten sie aus Kostengründen die Behandlung nicht wahrnehmen. Für Patienten, die lebensrettende Hilfe brauchen, kann das fatale Folgen haben. Die Situation ist sehr alarmierend.“

Anfang Februar 2009 musste Ärzte ohne Grenzen das Jude Ann-Krankenhaus, in dem Geburtsnotfälle behandelt werden, wegen eines Umzugs für zwei Wochen schließen. „Wir mussten feststellen, dass es während der Schließung unseres Krankenhauses für viele Frauen keinen anderen Ort für Geburtshilfe gab“, so Hans van Dillen, Koordinator im Krankenhaus. „Zu Hochzeiten wurden im Jude Ann-Krankenhaus 1.600 Babys im Monat geboren. In fast der Hälfte der Fälle ging es dabei um lebensbedrohliche Situationen für Mutter und Kind.“

Ärzte ohne Grenzen behandelt im Jude Ann-Krankenhaus 40 Prozent der in Port au Prince bei bedürftigen Frauen auftretenden geburtshilflichen Notfälle. Im Trinité-Krankenhaus wurden 2008 fast 17.950 Behandlungen von Verletzungen durchgeführt. Dort ist auch die einzige Abteilung in Haiti angesiedelt, die Verbrennungsopfern angemessene Hilfe leisten kann. Im Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen im Armenviertel in Martissant wurden im gleichen Jahr 16.950 Notfälle behandelt. Dort gibt es keine andere öffentliche Gesundheitseinrichtung.

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