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Dramatische Versorgungslücken bei HIV/Aids-Behandlung

26 August 2008 Ein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

Fatale Verzögerungen durch Mangel an medizinischem Personal im südlichen Afrika

Auf der XVII. Internationalen Aids-Konferenz hat Ärzte ohne Grenzen vor den tödlichen Folgen gewarnt, die der Mangel an medizinischem Personal in der HIV/Aids-Behandlung und -versorgung hat. In der Veranstaltung „Mind the Deadly Gaps“ beschrieben Experten das Ausmaß des Personalmangels sowie den dringenden Handlungsbedarf der Regierungen und Geberländer. Diese müssen schnellstmöglich Maßnahmen einleiten, um medizinisches Personal zu halten und zu unterstützen.

„Im Bezirk Thyolo in Malawi hält eine einzige Krankenschwester 400 Patienten am Leben, indem sie die lebensnotwendige Behandlung durchführt. Ihr Grundeinkommen beträgt jedoch gerade drei US-Dollar pro Tag“, erklärte Dr. Moses Massaquoi, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Malawi. „Es ist nicht akzeptabel, wenn Regierungen und Geberländer sagen, dass es nicht nachhaltig ist, ihr Gehalt zu erhöhen. Wer bereit ist, Medikamente zu finanzieren, der muss auch einen Weg finden, um Kosten wie Gehälter abdecken zu können.“
Einen Schritt in die richtige Richtung geht der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, indem er sich für die Stärkung von Gesundheitssystemen öffnet. Länder sollten diese Fördermöglichkeiten nutzen, um medizinisches Personal zu finden und zu halten. Nationale und internationale Finanzinstitutionen müssen Ausgabenbegrenzungen im Bereich Arbeitskraft und Löhne aufheben, sonst werden die Einstellung von Personal sowie Gehaltserhöhungen selbst mit zusätzlichen Geldern nur sehr eingeschränkt möglich sein.

Die wachsende Zahl an HIV/Aids-Patienten, die eine antiretrovirale Therapie begonnen haben, erhöht die Last auf das Gesundheitspersonal. Die Mitarbeiter haben wenig Zeit für die Patienten. Dies kann zu niedriger Qualität und Unterbrechungen in der Behandlung führen, und Patienten werden durch die langen Wartezeiten mehr und mehr entmutigt. „Es ist erschütternd zu beobachten, wie Menschen immer kränker werden und manchmal auch sterben, während sie Wochen oder Monate darauf warten, behandelt zu werden. Und das nur, weil es nicht genügend Personal gibt“, sagte Mit Philips von Ärzte ohne Grenzen. „Gesundheits-Personal im südlichen Afrika ist überarbeitet, unterbezahlt und unterbewertet.“

Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen führen erfolgreiche Pilot-Projekte durch, um die Arbeit bei der HIV/Aids-Behandlung besser zu verteilen, vor allem in ländlichen Gebieten. Dabei werden unter anderem Aufgaben von Ärzten an Pflegepersonal übertragen. Durch diese Umverteilung sowie Training können Krankenschwestern und Laienberater bei gleicher Qualität mehr und schneller Patienten erreichen, wie Projekte in Malawi, Lesotho, Südafrika und Ruanda zeigen. Allerdings kann dies konkrete Maßnahmen gegen den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften nicht ersetzen.

Noch immer erhalten 70 Prozent der Menschen, die eine HIV/Aids-Behandlung brauchen, keine antiretrovirale Therapie. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen versorgt in 27 Ländern 140.000 HIV/Aids-Patienten, darunter 10.000 Kinder, mit antiretroviralen Medikamenten.

Pressemitteilung: Ärzte ohne Grenzen

Ein Kommentar »

  • Die 17. internatioale AIDS Konferenz in Mexiko sagt:

    […] Zur Versorgunglücke, ist zu sagen, dass Beispielsweise in Malawi eine Krankenschwester ca. 400 HIV Patienten versorgen muss, dabei verdient diese gerade mal 3 US Dollar pro Tag. Das wäre nicht akzeptabel, erklärte Dr. Massaquoi, denn wenn die Regierung bereit ist, Medizin zu finanzieren, muss sie auch bereit sein Gehälter ab zu decken. Näheres über dieses Thema, finden sie in einem Bericht vom Tellerrand-Blogger. […]