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Bilanz des G8-Gipfels: Zu vage, zu mutlos und zu kurzfristig beim Thema Nahrungsmittelkrise

13 Juli 2008 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

Verteilung von Nahrungsmitteln in Mozambik. © KropkePressemitteilung Welthungerhilfe
Die Erklärungen des G8 Gipfels zur weltweiten Nahrungsmittelkrise und zur Entwicklung Afrikas sind nach Ansicht der Welthungerhilfe enttäuschend. „Insgesamt sind die Ergebnisse viel zu vage, zu mutlos und zu kurzfristig“, erklärt Ulrich Post, Entwicklungs- und Politikexperte der Welthungerhilfe. Es fehle vor allem an konkreten Zahlen und Zeitplänen, klarer Benennung von Missständen und langfristigen Perspektiven.

Beispiel Biokraftstoffe: „Mit Mühe wurde nur ein unverbindlicher Passus aufgenommen. Dabei ist offensichtlich, dass dringend über Alternativen gesprochen werden muss“, so Post. Außerdem müsse der Import von Biokraftstoffen aus Entwicklungsländern ausgesetzt und überdacht werden.

Beispiel Agrarsubventionen: „Die G8-Staaten sollten nicht nur Reformvorschläge zur Liberalisierung der Agrarmärkte von Entwicklungsländern machen, sie sollten endlich ihre eigenen heimischen Subventionen der Landwirte zurückfahren.“

Beispiel Entwicklungshilfe: Zwar seien die G8-Länder beim Thema Entwicklungshilfe und Hilfe für Afrika zumindest nicht – wie befürchtet – hinter ihre bisherige Beschlusslage zurück gefallen. „Aber es bleibt nach wie vor nur bei Ankündigungen, wirkliche Taten stehen nun seit drei Jahren aus“, erklärt Post.
„Im Gegenteil – de facto sind seitdem die Entwicklungshilfegelder gesunken.“

Beispiel Nahrungsmittelpreise: „Hier liegt der Fokus zu stark auf kurzfristiger Hilfe. Ohne Zweifel muss akut Hungernden schnell geholfen werden. Aber wenn nicht an den strukturellen Ursachen gearbeitet werde, reichen die angekündigten Maßnahmen nur von der Hand in den Mund.“

Positiv wertet die Welthungerhilfe die Ankündigung, den jahrelangen Rückgang der Entwicklung ländlicher Räume umzudrehen (vor 25 Jahren hatten die OECD-Staaten hier noch 17 Prozent ihrer Entwicklungsgelder verwendet, 2007 waren es nur noch 4 Prozent). Ulrich Post: „Diese Ankündigung ist immerhin ein Lichtblick – schließlich leben rund 80 Prozent aller Armen auf dem Land.“ Auch für diesen Punkt gelte es nun, endlich zügig zu handeln.

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