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Bangui – Tausende Menschen auf der Flucht

3 Mai 2009 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

banguiEine erneute Eskalation der Gewalt zwischen Armee und Rebellen im Norden der Zentralafrikanischen Republik hat abermals Tausende Menschen zur Flucht gezwungen. Ärzte ohne Grenzen schätzt, dass in den Regionen Kabo und Moyen Sido erneut rund 8.000 Menschen vertrieben wurden. Sie suchen Zuflucht im Busch, wo sie in der derzeit herrschenden Regenzeit ohne Zugang zur Gesundheitsversorgung und außer Reichweite von humanitärer Hilfe leben.

„Einige Orte wurden vollständig niedergebrannt. Die Bewohner waren gezwungen, nur mit der Kleidung, die sie am Leib trugen, zu fliehen“, berichtet Gabriel Sánchez Ibarra, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in der Zentralafrikanischen Republik. „Andere sind aus Angst geflohen, denn die Bevölkerung war in der Vergangenheit bereits mehrfach Angriffen und Vertreibungen ausgesetzt. Wir sind sehr besorgt um die Menschen. Unsere Priorität ist es nun, die Vertriebenen zu erreichen und ihnen zu helfen“, so Sánchez Ibarra weiter. „Bis jetzt haben wir aber nur teilweisen Zugang zu der betroffenen Bevölkerung.“

Die wiederholten Kämpfe der zwei vergangenen Wochen in und um Kabo haben dramatische Auswirkungen für die Bevölkerung. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben menschenleere Dörfer gesehen, manche von ihnen sind teilweise oder vollständig niedergebrannt und geplündert. In Bokayanga beispielsweise sind die Menschen in den Busch geflohen und haben ihre Nahrungsvorräte und ihr Saatgut für die nächste Ernte verloren. Das Gesundheitszentrum im Ort wurde geplündert und ist jetzt geschlossen.

Der enorme Rückgang an medizinischen Konsultationen in den Gesundheitseinrichtungen in Kabo ist beängstigend. Ärzte ohne Grenzen beobachtet eine deutliche Abnahme der pädiatrischen Konsultationen. Zudem musste aufgrund der Gewalt fast die Hälfte aller HIV- und Tuberkulose-Patienten ihre lebensnotwendige Behandlung unterbrechen. Viele Menschen trauen sich nicht, ins Krankenhaus zu kommen. Nach den Zusammenstößen hat Ärzte ohne Grenzen 14 Verwundete behandelt und vermutet, dass es weitere Verwundete gab, die die Klinik nicht erreichen konnten.

„Wir konnten am vergangenen Wochenende einige Dörfer erreichen. In Bokayanga erzählte man uns, dass die Bewohner zu verängstigt seien, um nach Nahrung oder medizinischer Hilfe zu suchen“, erzählt Sánchez Ibarra. Ärzte ohne Grenzen versucht deshalb auf verschiedenen Wegen, den Menschen, die die Gesundheitseinrichtungen nicht erreichen können, medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Dazu gehören mobile Kliniken, die zu Fuß oder per Motorrad durchgeführt werden.

Trotz der steigenden Unsicherheit erkundet Ärzte ohne Grenzen weiterhin neue Wege, um in der Zentralafrikanischen Republik dringend benötigte medizinische Hilfe zu leisten. Dafür ist es unabdingbar, dass alle Konfliktparteien weiterhin die Neutralität und Unabhängigkeit von Ärzte ohne Grenzen respektieren.

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