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Tuberkulose: Europa hat keine Antwort auf die globale Bedrohung

12 November 2008 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden
Bericht von Ärzte ohne Grenzen deckt unzureichende Forschungsförderung auf

Bericht von Ärzte ohne Grenzen deckt unzureichende Forschungsförderung auf

Die Europäische Kommission investiert viel zu wenig in die Forschung zu Tuberkulose und anderen vernachlässigten Krankheiten. Dies zeigt ein heute in Brüssel veröffentlichter Bericht von Ärzte ohne Grenzen. Danach gibt die Kommission gerade einmal 18,7 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung im Bereich Tuberkulose aus. Weltweit werden jährlich aber 1,45 Milliarden Euro benötigt. Ärzte ohne Grenzen ruft die Kommission daher auf, ihren Beitrag zur Tuberkuloseforschung zu verfünffachen. Auch Deutschland muss dringend mehr tun. Ein im April von Ärzte ohne Grenzen Deutschland veröffentlichter Bericht hat gezeigt, dass der deutsche Beitrag zur Tuberkuloseforschung 2007 nur 7,5 Millionen Euro betrug. „Jetzt ist deutlich geworden, dass die Kommission die niedrigen Investitionen Deutschlands nicht ausgleicht“, sagt Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Sowohl die Europäische Kommission als auch die Mitgliedsländer müssen ihre Beiträge massiv erhöhen.“ Jedes Jahr sterben weltweit 1,7 Millionen Menschen an Tuberkulose.

„Die heutigen Tuberkulosetests und -medikamente sind nicht effektiv genug“, sagte Tido von Schön-Angerer, Leiter der internationalen Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen am Mittwoch in Brüssel. „Die Teams von Ärzte ohne Grenzen stehen damit in Afrika und Asien vor einer fast unlösbaren Aufgabe. Wir brauchen dringend neue Impfstoffe, Diagnosemethoden und Medikamente. Diese bekommen wir nur durch mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung.“ Dies ist um so wichtiger, da sich Tuberkulose bei Menschen mit HIV/Aids ausbreitet und sich gegen die gängigen Medikamente, die alle mehr als 40 Jahre alt sind, zunehmend Resistenzen entwickeln.

„Die Verantwortung Europas liegt auf der Hand“, so von Schön-Angerer. „Direkt vor den Toren Europas, aber auch in Europa selbst, kämpfen Länder gegen multiresistente Tuberkulose. Doch die Forschungsförderung bleibt erbärmlich niedrig. Tuberkulose klopft laut an die Tür, doch die Kommission stellt sich taub.“

„Weder Deutschland noch die Europäische Kommission werden derzeit ihrer globalen Verantwortung gerecht“, so Moldenhauer. Als ersten Schritt in die richtige Richtung begrüßt Ärzte ohne Grenzen die jüngsten Ausschussbeschlüsse im Deutschen Bundestag zur leichten Erhöhung der Forschungsmittel für vernachlässigte Krankheiten. Moldenhauer: „Jetzt ist wichtig, dass den Beschlüssen auch Taten folgen.“

Laut dem neuem Bericht fehlt es jedoch nicht nur an angemessener Forschungsförderung. Die Europäische Kommission ignoriert auch weitgehend Alternativen zum traditionellen Patentmodell, wie Produktentwicklungspartnerschaften und Forschungsprämien. Solche Modelle können dabei helfen, Forschung und Entwicklung zu Krankheiten zu finanzieren, die für die Industrie finanziell unattraktiv sind.

Neben dem Schwerpunktthema Tuberkulose analysiert der Bericht auch die Förderung der Europäischen Kommission zu anderen Krankheiten. So wurden 2007 nur 17,1 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung zu Malaria ausgegeben. Überhaupt keine Forschungsmittel gab es für andere vernachlässigte tropische Krankheiten wie Chagas oder Leishmaniose, obwohl in Entwicklungsländern Millionen von Menschen an diesen Krankheiten leiden.

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