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Mangelernährung: Wissenschaftliche Studie beweist vorbeugende Wirkung von therapeutischer Fertignahrung

23 Januar 2009 Noch kein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

Die Wirksamkeit von therapeutischer Fertignahrung zur Vorbeugung von Mangelernährung bei Kindern ist erstmals wissenschaftlich nachgewiesen worden. Wie eine aktuell vom Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlichte Studie zeigt, liegt die Wahrscheinlichkeit, schwere akute Mangelernährung zu entwickeln für Kinder, die ergänzende therapeutische Fertignahrung erhalten, um fast 60 Prozent niedriger als für Kinder, die diese Nahrungszusätze nicht erhalten. „Diese Studie macht nicht nur deutlich, wie wichtig, sondern vor allem auch, wie erfolgsversprechend die Vorbeugung von Mangelernährung mit therapeutischer Fertignahrung ist“, sagte Oliver Moldenhauer von Ärzte ohne Grenzen in Berlin. „Jetzt sind die Regierungen gefragt, dafür zu sorgen, dass diese Vorbeugung auch wirklich stattfindet.“ Die nächste Gelegenheit hierzu bietet sich beim UN-Treffen zur globalen Nahrungsmittelkrise Anfang kommender Woche in Madrid. Bislang werden nährstoffreiche Nahrungsergänzungsmittel von den Vereinten Nationen nur zur Behandlung schwerer akuter Mangelernährung empfohlen.

Die in der Fachzeitschrift vorgestellte Studie wurde von 2006 bis 2007 von dem Ärzte ohne Grenzen nahestehenden Forschungsinstitut Epicentre in zwölf Dörfern in Niger durchgeführt. Einbezogen wurden alle 3.533 Kinder dieser Orte im Alter von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Dabei erhielt etwa die Hälfte der Kinder drei Monate lang täglich zusätzlich zum gewohnten Essen eine Ration nährstoffreiche Fertignahrung. Während der achtmonatigen Versuchsphase wurden die Kinder beider Gruppen einmal pro Monat untersucht. Wichtigstes Ergebnis: Kinder, die die Fertigpaste erhielten, zeigten eine 58 Prozent geringere Chance, schwere akute Mangelernährung zu entwickeln.

Jährlich sind 3,5 bis 5 Millionen Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren durch Mangelernährung mitverursacht. Mangelernährung führt zu langanhaltender schlechter Gesundheit, Behinderungen und beeinträchtigt die Entwicklung. Extreme Mangelernährung führt zu einem geschwächten Immunsystem, so dass selbst übliche Kinderkrankheiten, wie Atemwegsinfektionen oder Magenviren, sehr schnell zu Komplikationen oder sogar zum Tod führen können.

Für die Untersuchung in Niger wurde eine therapeutische Variante der Fertignahrung verwendet, welche verhältnismäßig teuer ist. Es gibt aber Gründe anzunehmen, dass auch alternative, günstigere Produkte eine ähnlich vorbeugende Wirkung haben können. Solche alternativen Produkte werden derzeit von Organisationen wie UNICEF und dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) erprobt.

In den vergangenen zwei Jahren hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 300.000 mangelernährte Kinder in 22 Ländern behandelt. In den Projekten wird seit 2007 eine Präventionsstrategie mit einer kostengünstigeren Nahrungsmittelpaste durchgeführt. In der nigrischen Region Maradi reduzierten großangelegte Verteilungen solcher Nahrungsmittelpasten bei kleinen Kindern extreme Mangelernährung.

JAMA-Studie zum Download

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