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Filmemacher gegen Rechts

5 August 2009 Ein Kommentar Diesen Artikel drucken Diesen Artikel per E-Mail versenden

Nazivon Reiner Wenserit 06.08.2009

Vor den Bundestagswahlen der Bundesrepublik versuchen die braunen Parteien wieder einmal mit Stimmungsmache junge Wähler in der gesamten Republik zu beeindrucken und in ihr Lager zu ziehen. So freut es mich das junge Filmschaffende an der HFF- Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ Potsdam–Babelsberg in einen Projekt, Spots erarbeiteten die gerade Jugendliche animieren sollen diese Thematik zu bedenken und sich klar gegen nationalsozialistische Tendenzen in unserer Gesellschaft zu stellen. Besonderes Augenmerk legten die Filmemacher darauf das ihre Videos ohne wirtschaftlichen Vermarkungsgedanken über social Communities wie YouTobe verbreitet, aber auch im Kinovorspann oder TV-Sendungen eingebaut werden können.

In ihrer Presseverlautbarung äußern sie sich wie folgt:  
„Rechtsradikales Denken und Handeln hat sich in den letzten Jahren so kontinuierlich und so offensichtlich ausgebreitet, dass dringende Gegenmaßnahmen von demokratischer Seite erforderlich sind. Im Land Brandenburg wird prognostiziert, dass vor allem Jungwähler und Erstwähler den rechten Parteien kräftige Gewinne bescheren werden. Die Hochschule für Fernsehen und Film „Konrad Wolf“ will in dieser Lage fünf Filmspots zur politischen Meinungsbildung beisteuern, die Tendenzen zur Fremdenfeindlichkeit, aggressivem Nationalismus und Intoleranz längerfristig entgegen wirken und speziell Jugendliche (auch aus bildungsferneren Gesellschaftsschichten) ansprechen sollen.“ Fünf Filmteams der HFF arbeiteten unter Anleitung von Prof. Dr. Klaus Stanjek (Regiedozent und Regisseur) und Silke Kaiser (Drehbuch- und Dramaturgiedozentin) an 5 Filmstoffen. Die Verbreitung dieser Spots wird sowohl als sendefähiges Masterband als auch als Kinomaster angestrebt. Die Anforderungen an die gestalterische Intensität und das technische Niveau bei der Herstellung waren daher hoch, um die Wirkungen zu verstärken.YouTube Preview Image

Super Ge… Darstellung!

Die 5 Filmideen
Ein Spot mit dem Titel „TEUTDORF“ besteht aus einer absurden Utopie. Ein Dorf im Hinterland, das es geschafft hat. Seit 4 Jahren ist es durch und durch deutsch, reinrassig und einsam. Seit 4 Jahren regiert die „TNT“-Partei. Der Bürgermeister nimmt uns mit auf eine Tour durch sein Dorf. Was er stolz verkündet, wird gebrochen durch drastische Szenen, die man sieht (Kinder bei der Feldarbeit, Lehrer mit gelangweilten Schülern, randalierende Jugendliche u. a.). Am Ende ein Slogan: „Tu uns einen Gefallen: Denk nach!“

Ein nächster Spot mit dem Titel „KEIN PLATZ FREI FÜR RECHTS“ knüpft an eine wahre Begebenheit an. Während der Fußball-WM stehen auf einer Brücke ausgelassene Menschen vor einem Monitor. Sie singen, tanzen, feiern friedlich, weltoffen. Als am Rande dieser Brücke plötzlich eine Gruppe junger Nazis auftaucht und „Deutschland! Deutschland!“ ruft, klingt das laut und scharf. Aber die Menge lässt sie auflaufen, lässt sie abblitzen.

Ein derb-drastischer Spott-Spot mit dem Titel „BRAUN IST SCHEISSE“. Ein junger Nazi in einer Klokabine will sich mit einem Hakenkreuz verewigen, kämpft mit einem schwarzen Filzstift, dessen Tinte ausläuft, tupft sich dabei versehentlich ein Hitlerbärtchen an die Oberlippe. Und stellt sich zunehmend dämlich an…

Im Spot „NICHTS ZU SEHEN“ betrachtet man eine weite Landschaft, ein Dorf, eine Straßenkreuzung, eine Bushaltestelle… anschwellende Geräusche wie ein akustisches Fragezeichen. Am Ende der Text: „Das alles: Orte rechter Gewalt“.

Eine deutschtümelnde Familie zeigt der ironische Spot „FREMDES KULTURGUT“. Sie gehen zu Fuß ihrem Urlaubsziel entgegen. Über die Autobahn. Autos waren keine komplett deutsche Erfindung. Aber „ER“ hat den Deutschen die Autobahn gebracht. Eine Groteske.

Die Zielgruppen und die angestrebte Verbreitung der Spots:
Die Grundideen und Macharten dieser Spots richten sich vorwiegend an ein jugendliches, nicht-akademisches Publikum. An Heranwachsende, die manche Gedanken vielleicht für „normal“ halten, obwohl sie eigentlich zum rechtsextremen Denken gehören – wie Ausländerfeindlichkeit, Demokratiefeindlichkeit und aggressiver Nationalismus.

Leider ist der Spot „FREMDES KULTURGUT“ noch nicht verfügbar, da noch nacharbeiten nötig wurden, aber auch dieser wird bald zur Verfügung stehen und ich werde bei Verfügbarkeit des Spots sie darüber informieren. Nach Sichtung der Spots bleibt mir nur zu sagen, alle Spots sind sehr gelungen! Ganz besonders gefiel mir der Spot „BRAUN IST SCHEISSE“. Da ich schon auf so manchem öffentlichen Klo seitenverkehrte Hakenkreuze gesehen habe die dann noch mit Parolen unterstrichen wurden die von Rechtschreibfehlern strotzten, also ich meine wirklich aus dem Leben gegriffen. So bleibt mir nur noch zu sagen: „Ansehen und Weitersagen“ und einen ganz besonderen Dank an alle daran Beteiligten “ Weiter so!!!“.

Ein Kommentar »

  • Reiner Wenserit (author) sagt:

    Steffen hier dein Kommentar:
    „Die Anforderungen an die gestalterische Intensität und das technische Niveau bei der Herstellung waren daher hoch, um die Wirkungen zu verstärken.“

    Gerade den Teutdorf-Clip finde ich „handwerklich“ sehr überzeugend. Bei der Szene im Bürgermeisterbüro musste ich direkt auf Pause klicken, um mir das genauer anzusehen. Da stimmt einfach alles: Der Schauspieler, das Ambiente, die Musik, das Design der Parteifahne…. sogar die Krawatte des Bürgermeisters, seine Brille und seine altmodische Tapete^^
    Das Finale zum Thema Jugendarbeit finde ich schon etwas drastisch, wenn nicht makaber, aber genau das soll die Pointe wohl auch sein.

    „Ganz besonders gefiel mir der Spot „BRAUN IST SCHEISSE“.“

    Hm, dem kann ich mich nur bedingt anschließen. Ich kann ihn mir zwar gut mit viel Gelächter im Kino-Vorprogramm vorstellen, aber im Vergleich zu Teutdorf fehlt mir da die Punchline; schön wär’s, wenn besagte politische Szene generell so unterbelichtet wäre. Versteht mich nicht falsch, der Clip ist super gemacht und saukomisch, aber hier wird meiner Meinung nach eher für Verharmlosung als für Aufklärung/Warnung gesorgt – auch wenn man absichtlich „bildungsfernere(n) Gesellschaftsschichten“ ansprechen will. Da hat der erste Spot den Sprung zwischen Humor und politischer Aussage schon eher geschafft.